In der Immobilienwirtschaft gilt das Verhältnis zwischen Investor und Nutzer als Allgemeinwissen und als seit Langem etabliert. Die Branche und die in ihr tätigen Beratungshäuser gliedern ihre Disziplinen entlang der Trennung zwischen Investor, Eigentümer und Vermieter auf der einen und Nutzer beziehungsweise Mieter auf der anderen Seite. Diese Organisationen sind historisch nach dieser klaren Trennung aufgebaut, und ihre Fachbereiche folgen derselben Prämisse. Weil Dynamik und Struktur marktweit als bekannt vorausgesetzt werden, entsteht die Annahme, der breitere Markt sei ebenso gut informiert.

Tatsächlich sind die sehr zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen in der Europäischen Union, die diese Marktmechanismen vermutlich nicht kennen, nicht informiert. Größere mittelständische und große Unternehmen halten ihr Immobilienwissen in FM- oder Corporate-Real-Estate-Abteilungen vor und werden dabei mehr oder weniger von externen Beratern unterstützt.

Bislang gibt es keinen umfassenden Leitfaden und keinen Rahmen, der als allgemeine Referenz dient und die bestehende Dynamik beschreibt. Beide Seiten verstehen ihren eigenen Kontext gut, doch es gibt kaum Veröffentlichungen aus Wissenschaft oder Berufsverbänden, die die sich wandelnden Beziehungen zwischen beiden Perspektiven untersuchen und daraus eine belastbare Grundlage oder einen Rahmen ableiten.

Dieses Whitepaper versucht, die Feinheiten der Beziehung zwischen Investor und Nutzer aufzuschlüsseln und einen Paradigmenwechsel zu beleuchten, den die COVID-19-Pandemie beschleunigt hat. Es plädiert für ein gemeinsames Verständnis über alle Beteiligten hinweg, widerlegt die Annahme, diese Dynamik sei Allgemeinwissen, und wirbt für einen umfassenden, transparenten Marktansatz.

Darüber liegt eine tiefgreifende Veränderung im Verhältnis der Nutzer zur Immobilie: kürzere Mietverträge, das Wachstum von Co-Working und Mitgliedschaftsmodellen und die Bewegung vom Nutzer als Mieter hin zum Nutzer als Kunde.

Dieses Papier will zu dieser Diskussion beitragen, indem es einen strukturierten Rahmen aufstellt, vergleichbar mit einem Grundlagenleitfaden, und so ein umfassenderes Verständnis für das komplexe Zusammenspiel von Investoren und Nutzern fördert.